Gleich mit acht Spielern war der Erfurter Schachklub beim 16. Nordhäuser Opern vertreten, jener willkommenen Standortbestimmung vor der neuen Saison. Die Gastgeber vom SC 1951 Nordhausen, die in diesem Jahr auf 75 Jahre Schach in der Südharzstadt zurückblicken, boten erstmals drei Wettbewerbe an: neben dem Meister- und Haupt- auch ein Amateurturnier für Einsteiger und ganz junge Talente. Insgesamt saßen auf den 1200 Quadratmetern der repräsentativen Wiedigsburghalle, in der sonst unter anderem die Handballerinnen des Thüringer HC ihre internationalen Matches austragen, mehr als 200 Spielerinnen und Spieler an den Brettern. Der ESK war in allen drei Turnieren vertreten und platzierte in jedem einen Spieler unter den Top ten. Gemeinsam holten die acht 25 Siege und insgesamt 32,5 Punkte aus 54 Partien.
Im Meisterturnier spielte Maximilian Kölsch stets in der Spitzengruppe und erreichte mit fünf Punkten und Platz sieben die beste ESK-Platzierung – auch dank des energischen Schlussspurts von zwei aus zwei. Auf den musste auch Kevin Anh Duc Tran vertrauen. Der Noch-15-Jährige fand sich nach vier Runden trotz eines starken Auftaktremis gegen WFM Anastasia Voigt sieglos bei einem mageren Punkt wieder, ehe er mit drei Siegen en suite auf dem versöhnlichen 32. Platz einkam. Kämpferqualitäten bewies einmal mehr Erik Heitmann. Nach dem kräftezehrenden Turnier in Biel holte der 13-Jährige gegen starke Gegnerschaft ein respektables 50-Prozent-Ergebnis.
Starke fünf Punkte waren auch im Hauptturnier für einen Platz unter den besten zehn nötig. Kilian Lux lud sie mit unerschütterlicher Geduld auf sein Haben-Konto. Drei Siege aus den letzten vier Partien unterstreichen sein Talent. Mit Moritz Franke bildete er ein kongeniales Duett, das für die Zukunft einiges versprechen könnte. Moritz überzeugte in Nordhausen mit einem bemerkenswerten Leistungssprung. Mit 3,5 Zählern aus fünf Partien – wegen einer Familienfeier musste er auf die beiden letzten Runden verzichten – blieb er als einziger ESKler ungeschlagen und darf sich ebenso wie Kilian über einen Wertzahl-Zuwachs von mehr als 100 Punkten freuen.
Etwas überraschend tauchte Thomi Vo in der Startliste des Amateurturniers auf. Als Zweiter der Setzliste hinter dem 1939 (!) geborenen Turniersenior Hartmut Viererbe (Nordhausen) musste der 16-jährige ESKler zu den Mitfavoriten gerechnet werden. Doch nach einer Niederlage gegen den erst achtjährigen späteren Turniersieger Liu Motong (Göttingen) und einem glücklichen Remis gegen ESK-Sympathisant und Erik-Heitmann-Papa Thomas Brand war der Traum vom Turniersieg für Thomi schon vorbei. Immerhin rettete er mit 4,5 Punkten und Platz zehn die Erfurter Top-ten-Ehre. Mit nur einem halben Punkt weniger landete der hochtalentierte Jonas Lux auf Platz 14 – ein Attribut, das man bedenkenlos auch Jonathan Kölsch attestieren darf. Drei Punkte und sogar Chancen auf mehr waren für den Siebenjährigen aller Ehren wert.
Den Turniersieg in der Meisterklasse holte sich der für Wolfhagen startende ukrainisch-schweizerische Großmeister Li Min Peng. Der 29-jährige spielte mit unglaublicher Leichtigkeit sechsmal seine Gegner vom Brett und macht in der Schlussrunde mit einem Remis gegen FM Karsten Schulz (Schwerin) den Turniersieg vor IM Ruben Gideon Köllner (Solingen/5,5 Punkte) und Schulz perfekt.
Text und Fotos: Axel Eger
Ergebnisse unter:
https://s2.chess-results.com/tnr1340095.aspx?lan=0&art=0&fed=GER&turdet=YES&flag=30&SNode=S0

Gespielt wurde in der Wiedigsburghalle, die beste Bedingungen bot.

Moritz Franke (links) und Kilian Lux (rechts) mit Anton Preuße von Turm
Erfurt. Alle drei spielten im Hauptturnier.

Thomas Brand, der Papa von Erik Heitmann, freute sich über
3,5 Punkte im Amateurturnier.

Manchmal reichten beim kleinen Liu Motong die Arme nicht bis zur anderen Seite des
Brettes. Dann ging es eben im Stehen weiter. Nach sieben Runden hatte der Achtjährige
von Rot-Weiß Göttingen sechs Punkte und den Sieg im Amateurturnier in der Tasche.

