Thüringen hofft auf WM-Zuschlag

Nun ist auch der symbolische Auftaktzug vollzogen und die Bewerbung des Deutschen Schachbundes (DSB) für die Junioren-Weltmeisterschaften 2028 in Bad Blankenburg endgültig komplett. Nach dem Handschlag zwischen Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker im Rahmen der Festveranstaltung zum einhundertjährigen Jubiläum der Landessportschule Bad Blankenburg kann der DSB die Bewerbung bis Mitte September fristgerecht an den Weltschachbund Fide abschicken.

„Es fällt uns leichter, diese Herausforderung anzunehmen, wenn der erste Schritt bereits getan ist“, sagte Meyer-Dunker und bedankte sich bei Voigt für die großzügige Unterstützung durch die Thüringer Staatskanzlei. Diese wird 60 000 Euro zum 450 000-Euro-Etat der WM beisteuern. Voigt, der selbst Schachspieler ist und noch heute den Tag oft mit zwei, drei Online-Schachpartien am Handy beginnt, erhielt aus den Händen von Meyer-Dunker ein signiertes Exemplar des neuen Buches über Vincent Keymer. Der Ministerpräsident erinnerte sich im Gespräch, wie er Anfang der 1990-er Jahre als Geraer Schüler-Bezirksmeister zum Thüringer Landeskader gehörte und an Trainingslagern mit dem damaligen Landestrainer Bernd Vökler im heutigen ESK-Spiellokal am Nettelbeckufer in Erfurt teilnahm.

Auch für Vökler, inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten Nachwuchs-Bundestrainer, schließt sich ein Kreis. Die Weltmeisterschaften in der Heimat waren für den 63-Jährigen von Anfang an eine Herzenssache – und würden zugleich zum letzten großen Höhepunkt seines ebenso langen wie erfolgreichen Berufslebens im Dienste des deutschen Schachs.

Der Bundestrainer, zuletzt vorzüglicher Organisator des Dresdner Schachgipfels, hatte bereits im vergangenen Jahr den Kontakt zu David Möller gesucht, dem Staatssekretär für Sport und Ehrenamt in der Thüringer Staatskanzlei. Der ehemalige Rennrodler, Weltmeister und Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, sei sofort Feuer und Flamme für das Projekt gewesen, erzählt Vökler: „Wir haben offene Türen eingerannt.“ Und er fügt hinzu: „Die WM kann eine enorme Sogwirkung für den Nachwuchsbereich haben.“ Der Erfurter Schachklub als größter Verein Thüringens wird eine Kampagne starten, um mit ausgewählten Spielern die Qualifikation für die Heim-WM zu schaffen.

Die Landessportschule Bad Blankenburg bietet mit mehr als 600 Betten und einer weitläufige Sportinfrastruktur ideale Bedingungen. Erwartet werden Teilnehmer aus rund 70 Ländern sowie etwa 220 Spielerinnen und Spieler plus Begleitteams. Die Junioren-WM U20 wird seit 1951 ausgetragen; zuletzt fand sie 1995 in Halle/Saale in Deutschland statt.Doch das letzte Wort hat zunächst der Weltverband, der nach Eingang der Bewerbungen Ende des Jahres über die Vergabe der Titelkämpfe entscheidet.

Mario Voigt als Teilnehmer der Deutschen
Jugend-Einzelmeisterschaften 1992 in Bochum.

Text: Axel Eger / Fotos: Bernd Vökler